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Hans Wipperfürth
Das Haus der Hispanischen Notare

208 Seiten; kt.; 12,500 € (D); 23,00 sFr
ISBN 3-931395-77-4

Textauszug

„Sind das die Salis, denen Hillarsweiler gehört?“ fragte der Wachtposten.
„Es gehört ihnen nicht“, erklärte ich ihm, „aber sie waren ein paar Jahrhunderte lang so etwas wie unsere Regierung.“

Der Bürgermeister, auch er ein Parteigenosse, aber einer von der harmlosen Sorte, lehnte es ab, irgendwelche Amtsgeschäfte vorzunehmen. Er müsse seinen Garten bestellen, wies er jeden, der zu ihm kam ab, und außerdem beschäftige die Gemeinde ja einige bezahlte Angestellte, die kämen ohne ihn zurecht. Er habe erst einmal seinen in drei Jahren aufgelaufenen Urlaub abzufeiern.

Um diesem Interregnum ein Ende zu machen, übernahm Dorothea Salis die Regierungsgewalt, nicht formell durch öffentliche Proklamation, sondern durch geheime Geschäftigkeit: Gab es keine männlichen Salis im Ort, so war es Aufgabe der Frauen dieses Namens Gesetz und Ordnung in der Herrlichkeit Hillarsweiler aufrecht zu halten.
Dorothea versicherte sich der Unterstützung der wenigen Männer, Greise oder Invaliden, die noch im Dorf wohnten und die mit ihr einig waren, daß eine Verteidigung des Koll um jeden Preis verhindert werden müsse; sie suchte die Mütter hoffnungsvoller Sprößlinge auf und vergatterte sie, ihre tatendurstigen Söhne rechtzeitig im Keller oder im Schuppen einzusperren, damit sie sich nicht zu irgendwelchen Werwölfen gesellten um Unheil zu stiften, und die Mütter nahmen ihre Warnungen ernst und suchten mit Dorothea zusammen einen geeigneten Kerkerplatz in ihrem Anwesen.